BMI nach Amputation berechnen

Nach einer Amputation fehlt Körpermasse, die Körpergröße bleibt aber in der Rechnung. Der unkorrigierte BMI fällt dadurch zu niedrig aus – bei einer Beinamputation um mehrere Punkte. Mit einem Korrekturfaktor lässt sich das ausgleichen.

Schritt 1: unkorrigierten BMI berechnen

Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.

Warum der BMI ohne Korrektur zu niedrig ausfällt

Die BMI-Formel teilt das Gewicht durch die Körpergröße im Quadrat. Nach einer Amputation sinkt der Zähler – das Gewicht –, während der Nenner unverändert bleibt, weil die Körpergröße vor der Amputation die biologische Bezugsgröße ist. Das Ergebnis: Der Wert rutscht nach unten und suggeriert Normalgewicht oder sogar Untergewicht, wo tatsächlich keines vorliegt. Bei einer Unterschenkelamputation sind das rund 1,4 Punkte, bei einer vollständigen Beinamputation fast 4 Punkte. In der Ernährungsmedizin ist das relevant, weil ein zu niedrig geschätzter BMI eine Mangelernährung vortäuschen oder umgekehrt eine bestehende Adipositas verdecken kann.

Anteil der Körpersegmente am Gesamtgewicht

Die Korrektur beruht auf Schätzwerten für den Massenanteil einzelner Körpersegmente. In der Ernährungsliteratur werden am häufigsten die von Osterkamp zusammengetragenen Anteile verwendet:

SegmentAnteil am KörpergewichtFaktor (1 − Anteil)
Hand0,7 %0,993
Unterarm mit Hand2,3 %0,977
Ganzer Arm5,0 %0,950
Fuß1,5 %0,985
Unterschenkel mit Fuß5,9 %0,941
Ganzes Bein16,0 %0,840

Bei mehreren Amputationen addieren Sie die Anteile: Beidseitige Unterschenkelamputation ergibt 5,9 % + 5,9 % = 11,8 %. Liegt die Amputationshöhe zwischen zwei Tabellenwerten – etwa eine Oberschenkelamputation auf halber Höhe –, wird zwischen 5,9 % und 16,0 % interpoliert; oft werden dafür etwa 10 bis 12 % angesetzt. Diese Zwischenwerte sind Schätzungen, keine Messungen, und ihre Unsicherheit gehört mitgedacht.

Zwei gleichwertige Rechenwege

Weg A – Gewicht hochrechnen: Geschätztes Gesamtgewicht = gemessenes Gewicht ÷ (1 − Anteil des fehlenden Segments). Diesen Wert setzen Sie dann in die normale BMI-Formel ein und bewerten ihn mit den üblichen WHO-Grenzen aus der BMI-Tabelle.

Weg B – Grenzwerte absenken: Statt das Gewicht zu erhöhen, multiplizieren Sie die BMI-Grenzen 18,5, 25 und 30 mit dem Faktor (1 − Anteil) und vergleichen den unkorrigierten BMI mit diesen angepassten Schwellen. Beide Wege führen rechnerisch zum selben Urteil; Weg B ist praktischer, wenn Sie sich regelmäßig wiegen.

Beispiel 1: Unterschenkelamputation rechts

Mann, 1,78 m, gemessenes Gewicht 70 kg, Prothese abgelegt. Anteil Unterschenkel mit Fuß: 5,9 %, Faktor 0,941.

Weg A: Geschätztes Gesamtgewicht = 70 ÷ 0,941 = 74,4 kg. Größe im Quadrat: 1,78 × 1,78 = 3,1684. Korrigierter BMI = 74,4 ÷ 3,1684 = 23,5. Der unkorrigierte Wert wäre 70 ÷ 3,1684 = 22,1 gewesen – ein Unterschied von 1,4 Punkten.

Weg B: Angepasste Grenzen: 18,5 × 0,941 = 17,4 · 25 × 0,941 = 23,5 · 30 × 0,941 = 28,2. Sein unkorrigierter BMI von 22,1 liegt zwischen 17,4 und 23,5, also im Normalbereich – dasselbe Ergebnis wie über Weg A.

Beispiel 2: Vollständige Beinamputation

Frau, 1,62 m, gemessenes Gewicht 52 kg. Anteil ganzes Bein: 16,0 %, Faktor 0,840.

Weg A: Geschätztes Gesamtgewicht = 52 ÷ 0,84 = 61,9 kg. Größe im Quadrat: 1,62 × 1,62 = 2,6244. Korrigierter BMI = 61,9 ÷ 2,6244 = 23,6. Unkorrigiert wären es 52 ÷ 2,6244 = 19,8 – eine Differenz von 3,8 Punkten. Wer nur den unkorrigierten Wert sieht, hält diese Frau für schlank; tatsächlich liegt sie im oberen Normalbereich.

Weg B: Angepasste Grenzen: 18,5 × 0,84 = 15,5 · 25 × 0,84 = 21,0 · 30 × 0,84 = 25,2. Ein gemessenes Gewicht, das einen unkorrigierten BMI über 21,0 ergibt, entspricht also bereits Übergewicht.

Wiegen Sie sich ohne Prothese. Eine Beinprothese wiegt je nach Bauart mehrere Kilogramm und würde die Korrektur teilweise wieder aufheben. Wenn das Wiegen ohne Prothese nicht möglich ist, notieren Sie das Prothesengewicht und ziehen Sie es ab.

Wenn die Körpergröße nicht mehr messbar ist

Bei einer Beinamputation lässt sich die Stehgröße oft nicht mehr direkt bestimmen. Die beste Lösung ist die dokumentierte Körpergröße vor der Amputation, etwa aus alten Arztunterlagen. Ist sie nicht verfügbar, greifen Klinik und Ernährungsberatung auf indirekte Verfahren zurück: Messung der Armspannweite, der Halbspannweite vom Brustbeinmittelpunkt bis zur Fingerspitze oder der Kniehöhe im Sitzen. Aus diesen Maßen wird die Körpergröße über Referenzformeln geschätzt, die sich nach Geschlecht und Herkunft unterscheiden. Diese Schätzungen gehören in fachliche Hände – eine allgemeingültige Formel, die Sie zu Hause verlässlich anwenden könnten, gibt es nicht.

Was die Korrektur nicht leistet

Der korrigierte BMI stellt die Vergleichbarkeit mit den WHO-Klassen her – mehr nicht. Er sagt nach wie vor nichts darüber, ob das Gewicht aus Muskulatur oder Fett besteht, und gerade nach einer Amputation verschiebt sich die Körperzusammensetzung: Die verbliebene Muskulatur baut in den Monaten nach dem Eingriff häufig ab, während der Fettanteil steigt. Ein gleichbleibender korrigierter BMI kann deshalb eine ungünstige Verschiebung verdecken. Sinnvolle Ergänzungen sind der Taillenumfang mit den Grenzen 80 und 88 cm für Frauen sowie 94 und 102 cm für Männer, eine Schätzung des Körperfettanteils und vor allem der Gewichtsverlauf über die Zeit. Ein ungewollter Verlust von mehr als 5 % des Körpergewichts innerhalb von drei bis sechs Monaten ist unabhängig vom BMI ein Grund, das ärztlich abklären zu lassen. Einen Überblick über weitere Kennzahlen gibt die Seite Alternativen zum BMI; verwandte Sonderfälle behandeln die Seiten BMI im Rollstuhl und BMI bei sehr kleinen und sehr großen Menschen.

Häufige Fragen

Wie berechne ich den BMI nach einer Amputation?

Teilen Sie das gemessene Gewicht durch den Faktor 1 minus dem Massenanteil des fehlenden Segments und setzen Sie das Ergebnis in die normale BMI-Formel ein. Für einen Unterschenkel mit Fuß lautet der Faktor 0,941.

Wie viel Prozent des Körpergewichts macht ein Bein aus?

Ein ganzes Bein wird mit rund 16 Prozent angesetzt, ein Unterschenkel mit Fuß mit 5,9 Prozent und ein Fuß allein mit 1,5 Prozent.

Kann ich stattdessen die BMI-Grenzen anpassen?

Ja, das ist der gleichwertige zweite Weg. Multiplizieren Sie 18,5, 25 und 30 mit dem Faktor 1 minus Segmentanteil und vergleichen Sie damit Ihren unkorrigierten BMI.

Soll ich mich mit oder ohne Prothese wiegen?

Ohne Prothese. Eine Beinprothese wiegt mehrere Kilogramm und würde die Korrektur verfälschen. Ist das nicht möglich, ziehen Sie das bekannte Prothesengewicht ab.

Welche Körpergröße nehme ich, wenn ich nicht mehr stehen kann?

Am besten die dokumentierte Größe vor der Amputation. Sonst schätzen Klinik oder Ernährungsberatung sie über Armspannweite oder Kniehöhe – dafür gibt es keine verlässliche Heimformel.

Weiterführende Seiten