Alternativen zum BMI

Es gibt keine Kennzahl, die den BMI in allen Punkten schlägt. Aber es gibt für jede Frage eine bessere Zahl – und die wichtigste davon brauchen Sie nur ein Maßband und dreißig Sekunden, um sie zu bestimmen.

Ausgangspunkt: den BMI berechnen

Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.

1. Taillenumfang – die einfachste Ergänzung

Der absolute Taillenumfang braucht keine Formel. Sie messen morgens, nüchtern, auf halber Höhe zwischen unterstem Rippenbogen und Beckenkamm, am Ende einer normalen Ausatmung. Die WHO-Grenzwerte sind seit Jahren unverändert: Für Frauen gelten 80 cm als erhöht und 88 cm als deutlich erhöht, für Männer 94 cm und 102 cm. Der Vorteil: Der Wert misst direkt das Bauchfett, das stoffwechselaktiv ist – und genau das ist die Lücke des BMI. Der Nachteil: Er berücksichtigt die Körpergröße nicht, weshalb 92 cm bei 1,55 m etwas völlig anderes bedeuten als bei 1,90 m. Die Messtechnik im Detail steht auf der Seite Taillenumfang richtig messen.

2. WHtR – Taille geteilt durch Größe

Formel: Taillenumfang in cm ÷ Körpergröße in cm. Beide Werte in derselben Einheit, das Ergebnis ist eine dimensionslose Zahl zwischen etwa 0,40 und 0,70.

Beispiel: Frau, 1,72 m, Taille 88 cm. Rechnung: 88 ÷ 172 = 0,51. Zweites Beispiel: Mann, 1,90 m, Taille 96 cm. Rechnung: 96 ÷ 190 = 0,51. Beide liegen knapp über der Faustregel „Taille kleiner als die halbe Körpergröße“ – obwohl die absolute Taille des Mannes 8 cm größer ist.

WHtREinordnung (bis 40 Jahre)
unter 0,40sehr niedrig, ärztlich abklären
0,40–0,49unauffällig
0,50–0,59erhöht
ab 0,60deutlich erhöht

Ab 40 Jahren wird der Grenzwert häufig um 0,01 pro Lebensjahr angehoben, bis maximal 0,60. Für eine 50-Jährige läge die Schwelle damit bei 0,60 statt 0,50. Der WHtR ist die stärkste Alternative für den Alltag: Er braucht nur ein Maßband, gilt für Frauen und Männer gleichermaßen und ist von der Körpergröße unabhängig. Mehr dazu auf der Seite Taille-Größe-Verhältnis.

3. WHR – Taille geteilt durch Hüfte

Formel: Taillenumfang ÷ Hüftumfang (Hüfte an der breitesten Stelle über dem Gesäß). Beispiel: Taille 88 cm, Hüfte 102 cm ergibt 88 ÷ 102 = 0,86. Nach WHO gilt eine abdominelle Fettverteilung ab 0,85 bei Frauen und ab 0,90 bei Männern. Der WHR beschreibt den Körpertyp – Apfel- oder Birnenform – aber er hat eine Schwäche: Nehmen Taille und Hüfte gleichmäßig zu, bleibt der Quotient konstant, obwohl das Risiko steigt. Deshalb hat der WHtR ihn in der Praxis weitgehend abgelöst. Details auf der Seite Taille-Hüfte-Verhältnis.

4. Körperfettanteil – die inhaltlich beste, praktisch schwierigste Zahl

Der Körperfettanteil misst genau das, worum es eigentlich geht. Orientierungswerte für gesunde Erwachsene liegen bei Frauen etwa zwischen 20 und 32 %, bei Männern zwischen 10 und 22 %, jeweils mit einer Verschiebung nach oben im höheren Alter. Das Problem ist die Messung: Bioimpedanzwaagen schwanken je nach Flüssigkeitshaushalt, Tageszeit und Hauttemperatur um mehrere Prozentpunkte. Für den Verlauf sind sie brauchbar, für eine einzelne Momentaufnahme nicht. Wer sie nutzt, sollte immer morgens, nüchtern und vor dem Trinken messen – wie es die Seite Körperfettwaage beschreibt.

5. FFMI – für alle, die Kraftsport machen

Formel: fettfreie Masse in kg ÷ (Größe in m)². Der FFMI dreht die BMI-Logik um und misst statt des Gesamtgewichts nur die fettfreie Masse. Beispiel: 1,80 m, 85 kg, 12 % Fett. Fettfreie Masse: 85 × 0,88 = 74,8 kg. FFMI: 74,8 ÷ 3,24 = 23,1 – ein sehr gut trainierter Wert, während der BMI mit 26,2 fälschlich Übergewicht anzeigt. Rechenwege und Normwerte stehen im FFMI-Rechner.

6. ABSI und Ponderal-Index – rechnerisch interessant, alltagsfern

Der ABSI (A Body Shape Index) kombiniert Taille, BMI und Größe: Taille in m ÷ (BMI hoch zwei Drittel × Größe in m hoch ein halb). Er versucht, den Teil des Taillenumfangs herauszurechnen, der sich allein aus Größe und Gewicht ergibt. Ohne Taschenrechner mit Potenzfunktion ist er nicht zu rechnen, und es gibt keine allgemein akzeptierten festen Grenzwerte – bewertet wird über alters- und geschlechtsspezifische Referenzverteilungen. Der Ponderal-Index (kg ÷ m³) korrigiert die Größenverzerrung des BMI in die andere Richtung und wird vor allem bei Neugeborenen genutzt. Beide sind für die Selbsteinschätzung keine gute Wahl.

Alle Kennzahlen im direkten Vergleich

KennzahlFormelGrenzwertBrauchtSchwäche
BMIkg ÷ m²18,5 / 25 / 30Waage, Maßbandkennt Muskeln und Fettverteilung nicht
Taillenumfangdirekt gemessenFrau 80/88, Mann 94/102 cmMaßbandignoriert die Körpergröße
WHtRTaille ÷ Größe0,50 (ab 40 Jahren steigend)Maßbandkeine Aussage zur Muskelmasse
WHRTaille ÷ HüfteFrau 0,85, Mann 0,90Maßbandbleibt bei gleichmäßiger Zunahme konstant
KörperfettanteilMessung oder SchätzformelFrau rund 20–32 %, Mann 10–22 %Waage mit BIA oder Caliperhohe Messschwankung
FFMIfettfreie Masse ÷ m²Mann ab 22 sehr gut, Frau ab 17,5Körperfettwertsagt nichts über Bauchfett
Broca-IndexGröße in cm − 100Normalgewicht = Ergebnisnur Größeveraltet, ungenau an den Rändern

Welche Zahl für welches Ziel?

Sie wollen wissen, ob Ihr Gewicht überhaupt ein Thema ist: BMI plus Taillenumfang. Diese Kombination deckt Menge und Verteilung ab und kostet zwei Minuten. Sie wollen das Stoffwechselrisiko einschätzen: WHtR, weil er als einzige einfache Zahl größenunabhängig auf Bauchfett zielt. Sie trainieren regelmäßig mit Gewichten: FFMI plus Körperfettanteil, der BMI ist hier irreführend. Sie sind in einer Diät und wollen Muskelverlust vermeiden: Körperfettanteil oder FFMI im Verlauf, nicht die Waage allein. Sie sind über 65: BMI mit altersangepassten Richtwerten, dazu Taillenumfang, Kraft und Gewichtsverlauf – ein ungewollter Gewichtsverlust ist in diesem Alter wichtiger als ein BMI von 28.

Und was bleibt vom BMI? Er bleibt der Einstieg. Keine andere Zahl kommt mit so wenig Aufwand aus, ist so gut reproduzierbar und lässt sich so eindeutig zwischen zwei Menschen vergleichen. Die Kritik an ihm ist berechtigt und auf der Seite Kritik am BMI ausführlich zusammengetragen – sie ist aber ein Argument dafür, eine zweite Zahl dazuzunehmen, nicht dafür, die erste wegzuwerfen. Wenn Ihr Ergebnis im Bereich Übergewicht liegt, entscheidet der Taillenumfang darüber, wie ernst das zu nehmen ist.

Häufige Fragen

Welche BMI-Alternative ist die beste?

Für den Alltag der WHtR: Taillenumfang geteilt durch Körpergröße, Grenzwert 0,50 bis 40 Jahre. Er braucht nur ein Maßband und ist von der Körpergröße unabhängig.

Kann ich den BMI komplett ersetzen?

Sinnvoller ist die Kombination. Der BMI liefert die Menge, der Taillenumfang die Verteilung – zusammen ergeben sie ein deutlich vollständigeres Bild als jede Zahl allein.

Wie rechne ich den WHtR aus?

Taillenumfang in Zentimetern geteilt durch die Körpergröße in Zentimetern. Bei 88 cm Taille und 172 cm Größe ergibt das 0,51.

Sind Körperfettwaagen genau genug?

Für einen einzelnen Messwert nicht, für den Verlauf schon. Messen Sie immer morgens, nüchtern und vor dem Trinken, dann sind die Werte untereinander vergleichbar.

Welche Kennzahl nutzen Ärztinnen und Ärzte?

In Leitlinien und Praxis wird meist der BMI zusammen mit dem Taillenumfang verwendet, ergänzt um Blutdruck, Blutzucker und Blutfette.

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