Taille-Hüft-Verhältnis (WHR) berechnen und einordnen
Die Waist-to-Hip-Ratio setzt den Taillenumfang ins Verhältnis zum Hüftumfang und beschreibt damit die Fettverteilung: Sitzt das Fett am Bauch oder an Hüfte und Oberschenkeln? Als erhöht gelten Werte ab 0,85 bei Frauen und ab 0,90 bei Männern.
Formel und Rechenbeispiele
Die Formel lautet: WHR = Taillenumfang in cm ÷ Hüftumfang in cm. Der Taillenumfang wird in der Mitte zwischen unterem Rippenbogen und Beckenkamm gemessen, der Hüftumfang an der breitesten Stelle des Gesäßes. Beide Werte in Zentimetern, das Ergebnis wird auf zwei Nachkommastellen gerundet.
Beispiel 1 – Frau, 29 Jahre: Taille 70 cm, Hüfte 100 cm. WHR = 70 ÷ 100 = 0,70. Ein klassisches birnenförmiges Verteilungsmuster, deutlich unter der Schwelle von 0,85 und stoffwechselgünstig.
Beispiel 2 – Frau, 45 Jahre, 1,66 m: Taille 84 cm, Hüfte 102 cm. WHR = 84 ÷ 102 = 0,82. Das liegt unter 0,85, aber im Zwischenbereich. Der absolute Taillenumfang von 84 cm überschreitet bereits die erste Warnschwelle von 80 cm, und das Taille-Größe-Verhältnis beträgt 84 ÷ 166 = 0,51. Zwei von drei Kennzahlen zeigen also nach oben – ein guter Zeitpunkt gegenzusteuern.
Beispiel 3 – Mann, 52 Jahre: Taille 104 cm, Hüfte 106 cm. WHR = 104 ÷ 106 = 0,98. Deutlich über der Schwelle von 0,90; zusätzlich liegt der Taillenumfang über 102 cm. Beides zusammen spricht für ausgeprägtes viszerales Bauchfett, unabhängig vom BMI.
Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.
Grenzwerte für Frauen und Männer
Anders als bei der WHtR unterscheiden sich die Schwellen nach Geschlecht, weil Frauen und Männer Fett von Natur aus unterschiedlich verteilen. Die WHO setzt die Grenze zur abdominalen Adipositas bei 0,85 für Frauen und 0,90 für Männer an.
| Bewertung | Frauen | Männer |
|---|---|---|
| unauffällig | unter 0,80 | unter 0,90 |
| erhöht | 0,80–0,84 | 0,90–0,99 |
| deutlich erhöht (abdominale Adipositas) | ab 0,85 | ab 1,00 |
Apfeltyp und Birnentyp: was dahintersteckt
Beim sogenannten Apfeltyp lagert sich Fett vor allem im Bauchraum zwischen den Organen ab. Dieses viszerale Fett ist stoffwechselaktiv: Es gibt Fettsäuren und Botenstoffe direkt in den Pfortaderkreislauf ab und begünstigt Insulinresistenz, erhöhte Blutfette und Bluthochdruck. Beim Birnentyp sitzt das Fett unter der Haut an Hüfte, Gesäß und Oberschenkeln; dieses subkutane Fett verhält sich stoffwechselneutraler und gilt als deutlich weniger riskant. Männer neigen häufiger zum Apfeltyp, Frauen vor der Menopause eher zum Birnentyp. Mit dem Rückgang des Östrogens verschiebt sich die Verteilung bei vielen Frauen Richtung Bauch – ein Grund, warum die WHR ab 50 oft steigt, obwohl das Gewicht gleich bleibt. Was das für die Bewertung bedeutet, beschreibt unsere Seite zum BMI mit Altersrichtwerten.
WHR im Vergleich zum BMI – Stärken und Schwächen
Der BMI misst Masse, die WHR misst Form. Damit beantworten sie unterschiedliche Fragen, und keine der beiden Zahlen ist grundsätzlich besser. Die WHR erkennt Bauchfett auch bei normalem Gewicht, der BMI nicht. Umgekehrt kann die WHR ein ausgeprägtes Übergewicht komplett übersehen: Nimmt jemand 15 kg zu und wachsen Taille und Hüfte gleichmäßig um je 10 cm, bleibt das Verhältnis nahezu unverändert. Genau das ist die größte Schwäche der WHR – sie taugt schlecht zur Verlaufskontrolle beim Abnehmen.
| Kriterium | BMI | WHR | WHtR |
|---|---|---|---|
| Messwerte | Größe, Gewicht | Taille, Hüfte | Taille, Größe |
| erkennt Bauchfett | nein | ja | ja |
| erkennt Gesamtübergewicht | ja | nein | teilweise |
| für Verlaufskontrolle | gut | schwach | gut |
| Grenzwerte je Geschlecht | gleich | unterschiedlich | gleich |
| Messaufwand | gering | hoch (zwei Umfänge) | gering |
Wann welche Kennzahl sinnvoll ist
Nutzen Sie die WHR, wenn Sie wissen wollen, welchen Fettverteilungstyp Sie haben – etwa einmal jährlich als Standortbestimmung, oder wenn der BMI im Normalbereich liegt, Sie sich aber am Bauch verändert fühlen. Für die laufende Kontrolle während einer Gewichtsabnahme sind Gewicht plus Taillenumfang besser geeignet, weil beide Werte auf Fortschritte reagieren. Für die Einschätzung von Untergewicht und für Kinder ist ausschließlich der BMI beziehungsweise die Perzentilenkurve geeignet – die WHR ist dafür nicht validiert. Wer die Körperzusammensetzung genauer wissen möchte, findet auf der Seite Körperfettanteil berechnen Formeln, die Umfangsmaße direkt in Prozentwerte übersetzen.
Messfehler vermeiden
Die WHR beruht auf zwei Messungen und damit auf zwei Fehlerquellen. Messen Sie morgens vor dem Frühstück, im Stehen, mit locker hängenden Armen und normaler Ausatmung. Das Maßband liegt waagerecht, ohne zu spannen. Der häufigste Fehler ist ein zu tief angesetzter Hüftumfang: Gemeint ist die breiteste Stelle des Gesäßes, nicht der Beckenkamm. Wiederholen Sie jede Messung zweimal und nehmen Sie den Mittelwert – zwei Zentimeter Unterschied beim Hüftumfang verändern eine WHR von 0,82 bereits auf 0,84. Zur Einordnung Ihres Gewichts insgesamt hilft die BMI-Tabelle, und welche Spannen bei Ihrer Größe als normal gelten, zeigt die Seite Idealgewicht.
Häufige Fragen
Wie berechne ich das Taille-Hüft-Verhältnis?
Teilen Sie den Taillenumfang durch den Hüftumfang, beides in Zentimetern. Bei 88 cm Taille und 104 cm Hüfte ergibt das 88 geteilt durch 104, also 0,85.
Welche WHR-Werte gelten als gesund?
Bei Frauen gelten Werte unter 0,80 als unauffällig, ab 0,85 spricht man von abdominaler Adipositas. Bei Männern liegt die Grenze bei 0,90, ab 1,00 gilt das Risiko als deutlich erhöht.
Was bedeutet Apfeltyp und Birnentyp?
Beim Apfeltyp sitzt das Fett im Bauchraum und ist stoffwechselaktiv, beim Birnentyp an Hüfte und Oberschenkeln unter der Haut. Der Apfeltyp geht mit einem höheren Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher.
Ersetzt die WHR den BMI?
Nein. Die WHR beschreibt die Fettverteilung, der BMI die Gesamtmasse. Zum Abnehmen verfolgen ist der BMI zusammen mit dem Taillenumfang besser geeignet, weil die WHR sich bei gleichmäßigem Abnehmen kaum verändert.