Magenverkleinerung – ab welchem BMI?

Ein adipositaschirurgischer Eingriff kommt in Deutschland ab einem BMI von 40 infrage, ab BMI 35 bei Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Schlafapnoe. Vorher muss in der Regel ein konservatives Programm über sechs bis zwölf Monate dokumentiert sein.

BMI berechnen (Erwachsene)

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Die BMI-Schwellen nach Leitlinie

Rechnen Sie zuerst nach: Bei 1,72 m und 118 kg ergibt sich 118 ÷ 2,9584 = BMI 39,9 – knapp unter der 40er-Grenze, mit Begleiterkrankung aber klar im Bereich der Indikation.

BMIAdipositas-GradOperation grundsätzlich möglich
35,0 bis 39,9Grad IIja, bei mindestens einer Begleiterkrankung
ab 40,0Grad IIIja, auch ohne Begleiterkrankung
unter 35,0Grad I und darunternur in seltenen Ausnahmefällen, etwa bei schwer einstellbarem Typ-2-Diabetes

Zu den anerkannten Begleiterkrankungen zählen Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, obstruktive Schlafapnoe, Fettleber, schwere Gelenkschäden und Fettstoffwechselstörungen. Die WHO-Klassen dahinter finden Sie in der BMI-Tabelle, die medizinische Einordnung von Adipositas Grad I bis III auf der Seite Übergewicht.

Die gängigen Verfahren

Zwei Operationen decken heute den größten Teil der Eingriffe ab. Beim Schlauchmagen werden rund 80 % des Magens entfernt, es bleibt ein schmaler Schlauch. Das Fassungsvermögen sinkt stark, zusätzlich verändert sich die Ausschüttung appetitsteuernder Hormone. Beim Magenbypass wird ein kleiner Vormagen gebildet und ein Teil des Dünndarms umgangen – hier kommt zur kleineren Portion eine verringerte Aufnahme von Nährstoffen hinzu, was den Blutzucker oft schon vor dem Gewichtsverlust verbessert. Das früher verbreitete Magenband wird kaum noch eingesetzt, weil es häufiger zu Komplikationen und Rückverlagerungen kam. Alle Verfahren werden in der Regel minimalinvasiv durchgeführt; der Klinikaufenthalt dauert meist wenige Tage.

Was sich beim Gewicht realistisch erwarten lässt

Üblicherweise verlieren Operierte in den ersten 12 bis 24 Monaten etwa die Hälfte bis zwei Drittel ihres Übergewichts, also des Anteils oberhalb des Normalgewichts. Für eine Person mit 1,72 m und 130 kg (BMI 43,9) bedeutet das bei einem Normalgewichtsbezug von rund 74 kg (BMI 25) ein Übergewicht von 56 kg – realistisch sind demnach etwa 28 bis 37 kg Verlust, das Gewicht landet bei rund 93 bis 102 kg und einem BMI zwischen 31 und 34. Auch das ist ein großer gesundheitlicher Gewinn: Bereits 5 bis 10 % Gewichtsverlust senken Blutdruck und Nüchternblutzucker, entlasten die Gelenke und verbessern die Schlafapnoe deutlich. Ein Rückgang bis in den Normalbereich ist dagegen die Ausnahme und sollte nicht das Erfolgskriterium sein. Ihren Zielkorridor können Sie mit dem Idealgewicht nach Körpergröße abschätzen.

So läuft die Kostenübernahme

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt den Eingriff als Einzelfallentscheidung, nicht automatisch. Üblich ist dieser Weg: Sie lassen sich in einem Adipositaszentrum vorstellen, durchlaufen ein multimodales Konzept aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie über sechs bis zwölf Monate und dokumentieren dieses lückenlos. Dazu kommen ein psychologisches Gutachten, eine ernährungsmedizinische Stellungnahme und internistische Voruntersuchungen inklusive Magenspiegelung und Schilddrüsenwerten. Mit diesen Unterlagen stellen Sie den Antrag; die Kasse schaltet den Medizinischen Dienst ein. Wird abgelehnt, ist ein Widerspruch innerhalb eines Monats möglich – häufige Ablehnungsgründe sind eine unvollständig dokumentierte konservative Therapie, aktiver Nikotin- oder Alkoholkonsum und eine unbehandelte Essstörung. Bei Verdacht auf gestörtes Essverhalten berät das BZgA-Telefon anonym unter 0221 89 20 31.

Nachsorge ist lebenslang

Nach der Operation ändert sich die Ernährung dauerhaft: Portionen von etwa 150 bis 250 ml, gründliches Kauen, Trinken zeitlich getrennt vom Essen, Eiweiß zuerst. Der Eiweißbedarf liegt bei etwa 60 bis 80 g täglich und lässt sich anfangs oft nur mit Trinknahrung decken. Vitamine und Mineralstoffe müssen supplementiert und regelmäßig kontrolliert werden – vor allem Vitamin B12, Eisen, Folsäure, Vitamin D und Kalzium, beim Bypass zusätzlich fettlösliche Vitamine. Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche begrenzt den Muskelverlust; wie viel Eiweiß Sie dafür brauchen, steht unter Eiweißbedarf berechnen. Wer die Nachsorge abbricht, riskiert Mangelzustände und eine erneute Gewichtszunahme nach zwei bis fünf Jahren.

Wann andere Wege zuerst sinnvoll sind

Bei einem BMI zwischen 30 und 35 ohne schwere Begleiterkrankungen stehen strukturierte Programme und gegebenenfalls Medikamente im Vordergrund; die Voraussetzungen dafür stehen auf der Seite zur Abnehmspritze und den BMI-Grenzen. Auch nach einer Operation bleibt die Grundlage dieselbe wie ohne: moderates Defizit, ausreichend Eiweiß, Bewegung im Alltag und der Erhalt von Muskulatur – dazu passt der Ansatz unter Muskelaufbau statt Abnehmen.

Häufige Fragen

Ab welchem BMI wird eine Magenverkleinerung gemacht?

Ab einem BMI von 40 grundsätzlich, ab einem BMI von 35 bei mindestens einer Begleiterkrankung wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Schlafapnoe.

Zahlt die Krankenkasse die Operation?

Die gesetzliche Kasse entscheidet im Einzelfall. Voraussetzung ist meist ein dokumentiertes multimodales Programm über sechs bis zwölf Monate sowie ein psychologisches Gutachten.

Wie viel nimmt man nach einer Magenverkleinerung ab?

Üblich sind in den ersten ein bis zwei Jahren etwa die Hälfte bis zwei Drittel des Übergewichts. Ein BMI im Normalbereich wird selten erreicht.

Was ist der Unterschied zwischen Schlauchmagen und Magenbypass?

Beim Schlauchmagen wird der Magen verkleinert, beim Magenbypass zusätzlich ein Teil des Dünndarms umgangen. Der Bypass wirkt stärker auf den Blutzucker, erfordert aber mehr Nährstoffergänzung.

Welche Nachsorge ist nötig?

Lebenslang: regelmäßige Blutkontrollen, Ergänzung von Vitamin B12, Eisen, Vitamin D und Kalzium sowie etwa 60 bis 80 g Eiweiß täglich.

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