Muskelaufbau statt Abnehmen

Nicht jeder mit einem BMI über 25 muss abnehmen. Wer Fett abbaut und gleichzeitig Muskulatur aufbaut, verbessert Blutdruck, Blutzucker und Kraft, ohne dass die Waage viel anzeigt – der BMI bleibt dabei fast unverändert.

BMI berechnen (Erwachsene)

Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.

Warum der BMI beim Umbau des Körpers wenig aussagt

Der BMI setzt nur Gewicht und Größe ins Verhältnis. Er unterscheidet nicht zwischen Fett, Muskeln, Knochen und Wasser. Ein Mann mit 1,80 m und 88 kg hat einen BMI von 27,2 und gilt formal als übergewichtig – trainiert er dreimal wöchentlich und hat 15 % Körperfett, ist dieser Wert medizinisch bedeutungslos. Umgekehrt kann eine Frau mit 1,68 m und 62 kg (BMI 22,0) einen Körperfettanteil von 35 % und wenig Muskelmasse haben. Dafür gibt es den Begriff der sarkopenen Adipositas: normales Gewicht, zu wenig Muskulatur, zu viel Fett. Wie die Zahl zustande kommt und was sie nicht kann, erklärt die Seite zur BMI-Formel; die Einordnung nach Alter finden Sie in der BMI-Tabelle.

Beispiel (1,78 m)GewichtBMIKörperfettEinordnung
Vorher82 kg25,9rund 26 %Übergewicht laut BMI
Nach 6 Monaten81 kg25,6rund 20 %BMI fast gleich, Taille −7 cm

In diesem Beispiel sind etwa 5 kg Fett verschwunden und rund 4 kg Muskelmasse dazugekommen. Die Waage zeigt 1 kg Unterschied – Kleidung, Kraftwerte und Blutdruck zeigen deutlich mehr. Wer nur auf das Gewicht schaut, würde ein solches halbes Jahr für gescheitert halten.

Body Recomposition: für wen sie funktioniert

Fettabbau und Muskelaufbau gleichzeitig gelingen am besten bei drei Gruppen: Trainingsanfängern, Wiedereinsteigern nach längerer Pause und Menschen mit deutlichem Übergewicht und wenig Trainingserfahrung. Wer seit Jahren regelmäßig und schwer trainiert, muss die Phasen eher trennen. Das Vorgehen: Kalorien nahe am Erhaltungsbedarf oder ein kleines Defizit von 200 bis 300 kcal, viel Eiweiß, konsequentes Krafttraining. Die realistische Aufbaurate liegt bei Anfängern bei etwa 0,5 bis 1 kg Muskelmasse pro Monat im ersten halben Jahr, danach deutlich weniger – bei Fortgeschrittenen sind 0,2 bis 0,3 kg pro Monat schon gut. Wer mehr verspricht, verkauft etwas.

Training: drei Einheiten, sechs Übungen, progressive Steigerung

Muskulatur wächst nur mit steigendem Reiz. Praktisch heißt das: zwei bis drei Einheiten pro Woche, pro Muskelgruppe 6 bis 10 harte Arbeitssätze wöchentlich, 6 bis 15 Wiederholungen bis nah ans Muskelversagen. Sechs Grundübungen decken den ganzen Körper ab: Kniebeuge, Kreuzheben oder Hüftheben, Rudern, Klimmzug oder Latzug, Bankdrücken oder Liegestütz, Schulterdrücken. Führen Sie ein Trainingsprotokoll und steigern Sie jede Woche entweder das Gewicht um 2,5 kg oder eine Wiederholung. Ohne diese Progression bleibt das Training Erhaltungsarbeit. Ausdauertraining kommt zusätzlich für Herz und Kreislauf dazu, ersetzt den Kraftreiz aber nicht.

Ernährung: Eiweiß ist der Baustoff

Beim gleichzeitigen Fettabbau und Muskelaufbau liegt der Eiweißbedarf höher als beim reinen Abnehmen: etwa 1,2 bis 1,6 g pro Kilogramm Körpergewicht, bei 80 kg also 96 bis 128 g täglich. Verteilen Sie das auf drei bis vier Portionen à 25 bis 40 g – etwa 200 g Skyr (rund 22 g), 150 g Putenbrust (rund 35 g), 200 g Magerquark (rund 24 g), 100 g Linsen roh (rund 24 g) oder 200 g Tofu (rund 24 g). Kohlenhydrate liefern die Energie für harte Sätze, Fette halten den Hormonhaushalt stabil; unter 0,8 g Fett pro Kilogramm sollten Sie nicht dauerhaft bleiben. Die vollständige Tabelle mit Bedarfswerten für unterschiedliche Ziele steht auf der Seite Eiweißbedarf berechnen.

Fortschritt richtig messen

Wenn das Gewicht als Maßstab ausfällt, brauchen Sie andere Messgrößen. Bewährt haben sich vier: Taillenumfang alle vier Wochen (Frauen unter 80 cm, Männer unter 94 cm als Zielkorridor), Kraftwerte im Trainingsprotokoll, Passform einer bestimmten Hose und der Körperfettanteil als Trend. Bioimpedanz-Waagen schwanken je nach Trinkmenge und Tageszeit um mehrere Prozentpunkte; sie taugen für die Richtung, nicht für den Absolutwert – wie Sie die Werte einordnen, steht bei Körperfettwaage und Bioimpedanz und beim Körperfettanteil berechnen. Wiegen Sie sich immer morgens nüchtern und bilden Sie den Wochendurchschnitt.

Wann Abnehmen trotzdem Vorrang hat

Bei einem BMI ab 30, einem Taillenumfang über 102 cm (Männer) beziehungsweise 88 cm (Frauen) oder bereits erhöhtem Blutdruck und Blutzucker steht der Fettabbau an erster Stelle. Dann gilt weiterhin: 300 bis 700 kcal Defizit, 0,25 bis 0,75 kg pro Woche, Krafttraining zum Muskelerhalt. Schon 5 bis 10 % weniger Gewicht senken Blutdruck und Nüchternblutzucker spürbar und entlasten die Gelenke – Details dazu auf der Seite Übergewicht. Umgekehrt gilt bei einem BMI unter 18,5 das Gegenteil: Dann geht es um Aufbau statt Abbau, siehe Untergewicht und gesund zunehmen.

Häufige Fragen

Kann man gleichzeitig Muskeln aufbauen und Fett abbauen?

Ja, vor allem bei Trainingsanfängern, Wiedereinsteigern und Menschen mit deutlichem Übergewicht. Voraussetzung sind Krafttraining, ausreichend Eiweiß und ein nur kleines Kaloriendefizit.

Wie viel Muskelmasse kann ich pro Monat aufbauen?

Anfänger schaffen im ersten halben Jahr etwa 0,5 bis 1 kg pro Monat, Fortgeschrittene eher 0,2 bis 0,3 kg. Schnellere Zunahmen sind meist Wasser und Glykogen.

Warum steigt mein Gewicht trotz Training?

In den ersten Wochen speichert die Muskulatur mehr Wasser und Glykogen, das kann 1 bis 2 kg ausmachen. Taillenumfang und Kraftwerte sind in dieser Phase aussagekräftiger als die Waage.

Wie viel Eiweiß brauche ich für Muskelaufbau?

Etwa 1,2 bis 1,6 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich, verteilt auf drei bis vier Portionen mit je 25 bis 40 g.

Ist ein BMI von 27 bei Sportlern bedenklich?

Nicht zwangsläufig. Bei viel Muskelmasse und schlanker Taille sagt der BMI wenig aus. Entscheidend sind Taillenumfang, Körperfettanteil sowie Blutdruck und Blutzucker.

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