BMI in den Wechseljahren

In den Wechseljahren steigt der BMI bei vielen Frauen um ein bis zwei Punkte, ohne dass sich die Gewohnheiten geändert haben. Dahinter stecken ein um 100 bis 200 kcal niedrigerer Tagesumsatz und eine hormonell bedingte Umverteilung des Fetts in den Bauchraum.

BMI berechnen (Frau, 52 Jahre)

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Wie stark der BMI tatsächlich steigt

Die Übergangsphase dauert bei den meisten Frauen mehrere Jahre, die letzte Regelblutung liegt im Mittel um das 51. Lebensjahr. In dieser Zeit nehmen viele Frauen 2 bis 5 kg zu. Was in Punkten heißt: Eine Frau mit 1,66 m und 68 kg hat einen BMI von 24,7 (68 geteilt durch 2,7556). Nimmt sie 5 kg zu, sind es bei 73 kg 26,5. Nach WHO wechselt sie damit von Normalgewicht zu Übergewicht – nach den altersangepassten Richtwerten für 45- bis 54-Jährige (BMI 22–27) bleibt sie im unauffälligen Bereich. Diese Diskrepanz erklärt einen großen Teil der Verunsicherung in dieser Lebensphase.

Altersangepasste BMI-Richtwerte rund um die Wechseljahre
AlterRichtwert BMIBereich bei 1,66 mWHO-Normalbereich
35–44 Jahre21–2657,9–71,6 kg18,5–24,9
45–54 Jahre22–2760,6–74,4 kg18,5–24,9
55–64 Jahre23–2863,4–77,2 kg18,5–24,9
ab 65 Jahre24–2966,1–79,9 kg18,5–24,9

Warum der Grundumsatz sinkt

Zwei Effekte überlagern sich. Erstens sinkt mit dem Östrogenabfall die Ruheenergieabgabe. Zweitens nimmt die Muskelmasse ohne gezieltes Training um etwa 1 % pro Jahr ab – und Muskulatur ist das Gewebe, das im Ruhezustand am meisten verbraucht. Zusammen ergibt das rund 100 bis 200 kcal weniger Tagesumsatz. Das klingt harmlos, summiert sich aber: Ein täglicher Überschuss von 100 kcal, etwa eine Handvoll Nüsse, entspricht über ein Jahr rund 36.500 kcal und damit etwa 5 kg Fettgewebe, da 1 kg Fettgewebe grob 7.000 kcal bindet. Die Zunahme in den Wechseljahren ist also selten das Ergebnis von mehr Essen, sondern von gleichbleibendem Essen bei sinkendem Bedarf.

Beispielrechnung: der neue Tagesbedarf

Frau, 52 Jahre, 1,66 m, 73 kg. Grundumsatz nach Mifflin-St Jeor: 10 × 73 + 6,25 × 166 − 5 × 52 − 161 = 730 + 1.037,5 − 260 − 161 = 1.346 kcal. Bei überwiegend sitzender Tätigkeit mit täglichen Spaziergängen gilt ein Aktivitätsfaktor von 1,4, also rund 1.885 kcal Gesamtumsatz. Wer 3 kg abnehmen möchte, wählt ein Defizit von 400 kcal und landet bei 1.485 kcal täglich. Das entspricht etwa 0,4 kg pro Woche, die 3 kg sind nach rund sieben bis acht Wochen erreicht. Zum Vergleich: Dieselbe Frau hätte mit 40 Jahren bei gleichem Gewicht einen um 60 kcal höheren Grundumsatz gehabt. Der Unterschied ist real, aber kleiner als oft angenommen – der größere Hebel ist die verlorene Muskelmasse.

Bauchfett: die Zahl, die der BMI verschweigt

Vor der Menopause lagert der weibliche Körper Fett bevorzugt an Hüften und Oberschenkeln ein, danach zunehmend im Bauchraum. Dieses viszerale Fett ist stoffwechselaktiv und erhöht das Risiko für Bluthochdruck, ungünstige Blutfette und Typ-2-Diabetes – unabhängig davon, was die Waage sagt. Deshalb kann der BMI gleich bleiben, während das Risikoprofil sich verändert. Messen Sie den Taillenumfang morgens im Stehen auf halber Höhe zwischen unterster Rippe und Beckenkamm: unter 80 cm unauffällig, 80 bis 88 cm erhöht, über 88 cm deutlich erhöht. Eine zweite Kennzahl ohne Grenzwertdiskussion ist das Verhältnis von Taille zu Größe – bei 1,66 m sollte die Taille unter 83 cm liegen. Wie zuverlässig zusätzliche Messungen wie die Bioimpedanzanalyse sind, steht unter Körperfettwaage.

Was gegen die Zunahme hilft

Der wirksamste Hebel ist Krafttraining: zwei bis drei Einheiten pro Woche mit Hanteln, Bändern oder dem eigenen Körpergewicht, jeweils 8 bis 12 Wiederholungen pro Satz und Belastung, die am Ende wirklich anstrengt. Muskulatur zu erhalten ist in dieser Phase leichter, als sie später neu aufzubauen. Zweitens Eiweiß: 1 bis 1,2 g pro kg Körpergewicht täglich, bei 73 kg also 73 bis 88 g, verteilt auf drei Mahlzeiten – das schützt Muskelmasse im Defizit und sättigt länger. Drittens ein moderates Tempo von 0,25 bis 0,5 kg pro Woche. Wer stattdessen mit 1.000 kcal täglich arbeitet, verliert überproportional Muskulatur und senkt den Grundumsatz weiter; nach der Diät liegt der Verbrauch niedriger als davor. Konkrete Rechenwege dazu stehen unter Kaloriendefizit berechnen, alltagstaugliche Bausteine unter gesund abnehmen ohne Diät.

Ein BMI unter 20 ist nach der Menopause ungünstig: Mit dem Östrogenabfall steigt das Osteoporoserisiko, und ein niedriges Körpergewicht verstärkt es. Das Ziel in dieser Lebensphase ist ein stabiles Gewicht mit erhaltener Muskulatur, nicht ein möglichst niedriger BMI. Bei anhaltender Zunahme trotz unveränderter Ernährung lohnt sich eine Abklärung der Schilddrüsenfunktion – was dabei üblicherweise erhoben wird, beschreibt die Seite zum BMI beim Arzt.

Häufige Fragen

Wie viel nimmt man in den Wechseljahren durchschnittlich zu?

Typisch sind 2 bis 5 kg über die gesamte Übergangsphase von mehreren Jahren. Das entspricht einem Überschuss von nur etwa 30 bis 60 kcal pro Tag und ist deshalb kaum spürbar.

Warum wächst der Bauch, obwohl das Gewicht kaum steigt?

Mit dem Östrogenabfall verlagert sich Fett von Hüfte und Oberschenkel in den Bauchraum. Die Waage kann gleich bleiben, während der Taillenumfang um mehrere Zentimeter zunimmt.

Welcher BMI ist in den Wechseljahren normal?

Nach WHO gilt weiter 18,5 bis 24,9. Altersangepasst sind mit 45 bis 54 Jahren Werte von 22 bis 27 und mit 55 bis 64 Jahren Werte von 23 bis 28 unauffällig.

Hilft eine Hormontherapie gegen die Gewichtszunahme?

Eine Hormontherapie wird nicht zur Gewichtsregulierung verordnet. Sie kann die Fettverlagerung in den Bauchraum abmildern, ersetzt aber weder Krafttraining noch eine angepasste Energiezufuhr. Die Entscheidung gehört in die gynäkologische Sprechstunde.

Warum funktionieren Diäten in den Wechseljahren schlechter?

Strenge Diäten kosten überproportional Muskelmasse, und genau die hält den Grundumsatz oben. Nach der Diät liegt der Verbrauch dadurch niedriger als vorher, das Gewicht kehrt schneller zurück.

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