BMI im Bodybuilding

Der BMI wiegt Muskeln und Fett gleich. Ein Athlet mit 1,80 m, 100 kg und 10 % Körperfett landet bei BMI 30,9 und damit rechnerisch in der Adipositas – obwohl er 90 kg fettfreie Masse trägt. Hier ist der BMI schlicht das falsche Werkzeug.

BMI berechnen (Kraftsport)

Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.

Drei Rechenbeispiele, die das Problem zeigen

Die BMI-Formel kennt nur zwei Eingaben, Gewicht und Größe. Was das Gewicht ausmacht, ist ihr gleichgültig – und genau daran scheitert sie im Kraftsport. Drei Personen, drei sehr unterschiedliche Körper, ein irreführendes Ergebnis:

BMI, Körperfettanteil und FFMI im Vergleich
PersonGröße / GewichtKörperfettBMIWHO-KlasseFFMI (normalisiert)
Kraftsportler, fortgeschritten1,80 m / 100 kg10 %30,9Adipositas I27,8
Freizeitsportler, 4 Jahre Training1,75 m / 85 kg12 %27,8Übergewicht24,7
Untrainiert, wenig Muskelmasse1,70 m / 62 kg32 %21,5Normalgewicht15,2

Die dritte Zeile ist die eigentliche Pointe: Der BMI irrt in beide Richtungen. Person 1 und 2 werden zu schlecht bewertet, Person 3 zu gut – bei 32 % Körperfett und nur 42,2 kg fettfreier Masse ist ein BMI von 21,5 kein Gütesiegel. Diese Konstellation wird gelegentlich als Normalgewicht mit erhöhtem Fettanteil beschrieben und ist im Alltag häufiger als der muskulöse Ausreißer.

FFMI: die Kennzahl, die im Kraftsport trägt

Der Fettfreie-Masse-Index (FFMI) ersetzt im Zähler das Gesamtgewicht durch die fettfreie Masse. Er beantwortet die Frage, die den BMI überfordert: Wie viel Muskulatur trägt dieser Körper im Verhältnis zu seiner Größe? Die Rechnung in drei Schritten, am ersten Beispiel:

Schritt 1 – Fettmasse: 100 kg × 10 % = 10 kg. Schritt 2 – fettfreie Masse: 100 kg − 10 kg = 90 kg. Schritt 3 – FFMI: 90 geteilt durch 1,80 × 1,80 = 90 geteilt durch 3,24 = 27,8. Weil größere Menschen bei gleichem Trainingsstand einen etwas niedrigeren FFMI erreichen, wird zusätzlich normalisiert: FFMI + 6,1 × (1,80 − Körpergröße in m). Bei genau 1,80 m ändert sich nichts. Beim zweiten Beispiel mit 1,75 m: 24,4 + 6,1 × 0,05 = 24,7. Bei 1,85 m und einem FFMI von 27,9 wären es 27,9 − 0,3 = 27,6.

Einordnung: Für Männer ohne anabole Substanzen gilt in der Fachliteratur ein normalisierter FFMI um 25 als obere Grenze des natürlich Erreichbaren; 19 bis 21 entsprechen einem durchschnittlich trainierten Mann, 22 bis 24 einem ambitionierten Kraftsportler. Bei Frauen liegen die Werte etwa 3 Punkte niedriger. Der FFMI hat denselben Haken wie der BMI: Er hängt von der Genauigkeit der Körperfettmessung ab. Ein Messfehler von 3 Prozentpunkten verschiebt den FFMI im ersten Beispiel um etwa 0,9 Punkte.

Körperfettanteil: Orientierungswerte

Der Körperfettanteil ist die direktere Antwort auf die Frage, die der BMI eigentlich beantworten soll. Gängige Orientierungsbereiche für Erwachsene:

Orientierungswerte Körperfettanteil
BereichMännerFrauen
Essenzielles Fett2–5 %10–13 %
Athletisch6–13 %14–20 %
Sportlich14–17 %21–24 %
Durchschnitt18–24 %25–31 %
Erhöhtab 25 %ab 32 %

Wie zuverlässig die Messung zu Hause ist, hängt stark vom Verfahren ab – Details dazu stehen unter Körperfettwaage. Praktisch reicht meist ein einfacher Zusatzwert: Liegt der Taillenumfang bei einem Mann unter 94 cm und der BMI wegen Muskelmasse über 25, besteht kein Grund zur Sorge. Liegt die Taille über 102 cm, ist das Gewicht eben nicht nur Muskulatur. Dieselbe Logik gilt spiegelbildlich für angepasste Grenzwerte bei asiatischer Herkunft – der BMI braucht immer einen zweiten Wert daneben.

Was das im Alltag heißt

Wenn Sie regelmäßig Kraftsport betreiben, nutzen Sie den BMI nur noch als groben Verlaufswert für Ihre Masse, nicht als Bewertung. Aussagekräftiger sind vier Dinge: Körperfettanteil oder FFMI alle acht bis zwölf Wochen unter gleichen Bedingungen gemessen, Taillenumfang monatlich, Trainingsleistung in den Grundübungen und Blutwerte beim Check-up. In einer Aufbauphase mit einem Überschuss von 200 bis 300 kcal täglich steigt der BMI zwangsläufig – entscheidend ist, ob Taille und Fettanteil mitwandern. Bleibt die Taille stabil, geht der Zuwachs überwiegend in Muskulatur. Wie Ärztinnen und Ärzte mit einem erhöhten BMI bei sichtbar muskulösen Patienten umgehen, beschreibt die Seite zum BMI beim Arzt; die allgemeine Einordnung erhöhter Werte finden Sie unter Übergewicht.

Häufige Fragen

Ist ein BMI von 30 bei Bodybuildern schlimm?

Nicht, wenn der Körperfettanteil niedrig ist und der Taillenumfang unter 94 cm liegt. Der BMI zählt Muskelmasse wie Fettmasse und stuft deshalb muskulöse Menschen zu hoch ein.

Was ist der FFMI und wie berechne ich ihn?

Der Fettfreie-Masse-Index teilt die fettfreie Masse in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Bei 100 kg und 10 Prozent Körperfett sind 90 kg fettfreie Masse, bei 1,80 m ergibt das 90 geteilt durch 3,24 gleich 27,8.

Welcher FFMI ist ohne Anabolika erreichbar?

In der Fachliteratur gilt ein auf 1,80 m normalisierter FFMI um 25 als obere Grenze für Männer ohne anabole Substanzen. Werte darüber sind selten und meist mit langjährigem Training, günstiger Genetik oder Messfehlern verbunden.

Ab welchem Körperfettanteil ist man definiert?

Als Orientierung gelten bei Männern 6 bis 13 Prozent als athletisch und 14 bis 17 Prozent als sportlich, bei Frauen 14 bis 20 beziehungsweise 21 bis 24 Prozent. Dauerhaft sehr niedrige Werte belasten Hormonhaushalt und Regeneration.

Kann der BMI auch zu niedrig ausfallen?

Ja. Bei wenig Muskulatur und hohem Fettanteil bleibt der BMI im Normalbereich, obwohl der Körperfettanteil erhöht ist. Der Taillenumfang und eine Körperfettmessung decken das auf.

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