BMI und Schilddrüse

Die Schilddrüse steuert den Grundumsatz – deshalb verändert eine Fehlfunktion das Gewicht. Allerdings weniger stark, als oft angenommen: Eine Unterfunktion erklärt meist wenige Kilogramm, davon einen erheblichen Teil eingelagertes Wasser. Abklären lohnt sich trotzdem, weil die Behandlung einfach ist.

BMI berechnen

Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.

Unterfunktion: warum die Waage nur wenig zeigt

Bei einer Hypothyreose produziert die Schilddrüse zu wenig Hormon, der Grundumsatz sinkt und viele Vorgänge im Körper laufen langsamer ab. Das Gewicht steigt dabei in aller Regel um wenige Kilogramm – und ein erheblicher Anteil davon ist kein Fett, sondern eingelagertes Wasser und Salz. Typisch sind die begleitenden Zeichen: anhaltende Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, brüchige Haare, Verstopfung, Konzentrationsprobleme, bei Frauen Zyklusstörungen. Häufigste Ursache in Deutschland ist die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis.

Wichtig für die Erwartungshaltung: Eine Unterfunktion erklärt eine Adipositas mit BMI 35 in aller Regel nicht. Umgekehrt kommt es aber vor, dass bei höherem Körpergewicht der TSH-Wert leicht erhöht ist, ohne dass eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt – hier ist das Gewicht eher die Ursache der Laborveränderung als ihre Folge. Deshalb wird ein einzelner grenzwertiger TSH-Wert nicht sofort behandelt, sondern zunächst kontrolliert. Wie viel Gewicht überhaupt in welche BMI-Klasse fällt, zeigt die BMI-Tabelle.

Überfunktion: Gewichtsverlust trotz Appetit

Bei einer Hyperthyreose läuft der Stoffwechsel zu schnell. Betroffene nehmen ab, obwohl sie normal oder sogar mehr essen, und verlieren dabei auch Muskelmasse. Begleitend treten Herzrasen, innere Unruhe, Zittern, Schlafstörungen, vermehrtes Schwitzen und Durchfall auf; bei Morbus Basedow können die Augen hervortreten. Ein rascher, ungewollter Gewichtsverlust gehört immer ärztlich abgeklärt – ein Verlust von mehr als 5 Prozent des Körpergewichts innerhalb von sechs Monaten ist die gängige Schwelle. Weitere mögliche Ursachen und was ein sehr niedriger Wert bedeutet, beschreibt die Seite Untergewicht.

Nach erfolgreicher Behandlung einer Überfunktion nehmen viele Menschen wieder zu, oft etwas mehr als sie zuvor verloren haben. Das ist keine Fehlbehandlung, sondern die Rückkehr zu einem normalen Energieverbrauch – und ein guter Zeitpunkt, um mit Krafttraining die verlorene Muskulatur wieder aufzubauen.

Welche Werte geprüft werden

UntersuchungWas sie zeigtWann
TSHSteuerhormon der Hirnanhangdrüse; erhöht bei Unterfunktion, erniedrigt bei ÜberfunktionImmer der erste Schritt
fT4 und fT3Freie Schilddrüsenhormone; zeigen das Ausmaß der StörungBei auffälligem TSH
TPO-AntikörperHinweis auf eine Hashimoto-ThyreoiditisBei Unterfunktion zur Ursachenklärung
TRAKAntikörper bei Morbus BasedowBei Überfunktion
UltraschallGröße, Struktur und Knoten der SchilddrüseBei tastbarer Vergrößerung oder auffälligen Werten

Die Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor und Messverfahren, deshalb steht der Bereich immer auf dem Befund. Bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und bei Neugeborenen gelten eigene, engere Zielwerte – dazu mehr auf der Seite zu BMI und Kinderwunsch. Sinnvoll ist es, im selben Termin auch Blutbild, Ferritin, Vitamin D und den Blutzucker prüfen zu lassen, weil Müdigkeit viele Ursachen hat; welche Werte routinemäßig dazugehören, steht auf der Seite zu BMI und Diabetes.

Behandlung und was sie fürs Gewicht bedeutet

Eine Unterfunktion wird mit Levothyroxin behandelt, einem Hormon, das dem körpereigenen entspricht. Es wird morgens nüchtern eingenommen, etwa 30 Minuten vor dem Frühstück, mit Wasser; Kaffee, Milch, Kalzium- und Eisenpräparate mindestens vier Stunden Abstand halten, weil sie die Aufnahme behindern. Die Dosis wird über den TSH-Wert eingestellt, meist mit Kontrollen nach sechs bis acht Wochen und später ein- bis zweimal jährlich.

Was die Behandlung fürs Gewicht leistet: Das eingelagerte Wasser geht zurück, häufig ein bis zwei Kilogramm. Was sie nicht leistet: eine darüber hinausgehende Gewichtsabnahme. Sie normalisiert die Funktion, sie beschleunigt den Stoffwechsel nicht über das normale Maß hinaus.

Schilddrüsenhormone eignen sich nicht als Abnehmmittel. Eine Überdosierung verursacht Herzrasen, Rhythmusstörungen, Schlafstörungen und Knochenabbau und kostet vor allem Muskelmasse. Die Dosis richtet sich ausschließlich nach der Schilddrüsenfunktion.

Wer nach guter Einstellung weiter abnehmen möchte, geht denselben Weg wie alle anderen: moderat, langsam und mit Muskelerhalt. Bereits 5 bis 10 Prozent des Ausgangsgewichts verbessern Blutdruck, Blutzucker und Gelenkbelastung messbar – bei 92 kg sind das etwa 4,5 bis 9 kg. Wie sich das im Alltag umsetzen lässt, beschreibt die Seite Übergewicht. Und weil der BMI weder Muskel- noch Wasseranteil kennt, lohnt sich ergänzend der Blick auf den Taillenumfang: Frauen unter 80 cm, Männer unter 94 cm, WHtR unter 0,5.

Häufige Fragen

Wie viel Gewicht macht eine Schilddrüsenunterfunktion aus?

Meist geht es um wenige Kilogramm, und ein erheblicher Teil davon ist eingelagertes Wasser und kein Fett. Eine Unterfunktion erklärt in der Regel keine Adipositas, kann aber eine Gewichtszunahme begünstigen.

Welcher Blutwert wird zuerst bestimmt?

Zuerst der TSH-Wert. Ist er auffällig, folgen die freien Schilddrüsenhormone fT4 und fT3 sowie bei Bedarf Antikörper und eine Ultraschalluntersuchung. Die Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor.

Nehme ich ab, wenn die Unterfunktion behandelt wird?

Häufig geht zunächst das eingelagerte Wasser zurück, das sind oft ein bis zwei Kilogramm. Eine darüber hinausgehende Abnahme bringt die Behandlung meist nicht, weil sie die Funktion nur normalisiert.

Kann man Schilddrüsenhormone zum Abnehmen nutzen?

Nein. Eine Überdosierung führt zu Herzrasen, Rhythmusstörungen, Schlafstörungen und Knochenabbau und kostet vor allem Muskelmasse. Die Dosis richtet sich allein nach der Schilddrüsenfunktion.

Warum nehme ich bei einer Überfunktion trotz gutem Appetit ab?

Bei einer Überfunktion läuft der Stoffwechsel schneller, der Energieverbrauch steigt und der Körper baut auch Muskelmasse ab. Deshalb sinkt das Gewicht, obwohl mehr gegessen wird.

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