BMI und Gelenke

Kniegelenke tragen bei jedem Schritt ein Vielfaches des Körpergewichts – deshalb wirkt sich zusätzliches Gewicht hier unmittelbarer aus als fast überall sonst. Gleichzeitig ist Arthrose nicht nur eine Frage der Last, sondern auch der Entzündung. Beides erklärt, warum schon moderate Entlastung viel bringt.

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Warum das Knie den Unterschied am deutlichsten spürt

Beim normalen Gehen wirkt auf das Kniegelenk nach gängigen biomechanischen Schätzungen etwa das Drei- bis Vierfache des Körpergewichts, beim Treppabgehen und beim Aufstehen aus tiefer Hocke noch deutlich mehr. Das ist der Hebel, um den es geht: Wer 6 kg abnimmt, entlastet jedes Knie bei jedem Schritt um ein Vielfaches dieser 6 kg. Bei rund 5.000 Schritten am Tag summiert sich das zu einer erheblichen Menge nicht geleisteter Arbeit für Knorpel, Menisken und Bänder.

Die Hüfte reagiert ähnlich, wenn auch etwas weniger empfindlich, weil das Kugelgelenk Kräfte besser verteilt. Die Lendenwirbelsäule leidet vor allem unter Bauchfett: Es verlagert den Körperschwerpunkt nach vorn, verstärkt das Hohlkreuz und erhöht den Druck auf Bandscheiben und kleine Wirbelgelenke. Deshalb bessern sich Rückenbeschwerden bei Gewichtsabnahme oft schon, bevor das Wunschgewicht erreicht ist.

Arthrose ist nicht nur ein Lastproblem

Wäre Gewicht rein mechanisch wirksam, dürften Hände und Finger nicht betroffen sein – sie tragen ja nichts. Genau das ist aber der Fall: Arthrose der Fingergelenke tritt bei Adipositas häufiger auf. Der Grund liegt im Fettgewebe selbst. Es ist stoffwechselaktiv und gibt entzündungsfördernde Botenstoffe ab, die im ganzen Körper wirken und Knorpelabbau begünstigen. Viszerales Bauchfett ist dabei aktiver als Unterhautfett. Das ist auch der Grund, warum Taillenumfang und Fettverteilung neben dem BMI stehen sollten und nicht nur die Zahl auf der Waage zählt. Wie diese Unterscheidung funktioniert, beschreibt die Seite Übergewicht ausführlicher.

BMIGelenkbezogene EinordnungSinnvoller nächster Schritt
18,5–24,9Basisrisiko; Beschwerden meist andere UrsachenMuskelkraft und Beweglichkeit erhalten
25,0–29,9Belastung erhöht, oft noch beschwerdefreiGewicht stabil halten, Beinmuskulatur kräftigen
30,0–34,9Kniearthrose deutlich häufiger5–10 % Gewichtsreduktion als Ziel besprechen
ab 35,0Stark erhöhte Belastung, häufig Schmerzen im AlltagStrukturierte Betreuung, Physiotherapie, gelenkschonender Sport

Was 5 bis 10 Prozent Gewichtsreduktion bewirken

Vorhandene Knorpelschäden bilden sich nicht zurück – das gehört zur ehrlichen Auskunft dazu. Was sich sehr wohl ändert, sind Schmerz, Gehstrecke, Treppensteigen und die Geschwindigkeit, mit der die Arthrose fortschreitet. Eine Reduktion um 5 bis 10 Prozent des Ausgangsgewichts ist dafür die Größenordnung, die in Leitlinien genannt wird: Bei 105 kg sind das 5 bis 10 kg. Am wirksamsten ist die Kombination aus Gewichtsabnahme und Bewegungstherapie – beides zusammen bringt mehr als jedes für sich.

MaßnahmeKonkretWarum
Beinkraft aufbauen2× pro Woche, Beinpresse, Kniebeugen im Teilbereich, BänderKräftige Oberschenkelmuskulatur stabilisiert das Knie
Gelenkschonende AusdauerRadfahren, Schwimmen, Wassergymnastik, ErgometerBewegt den Knorpel ohne Stoßbelastung
Alltag anpassenHöhere Sitzgelegenheiten, Handlauf nutzen, gute Dämpfung im SchuhReduziert Spitzenbelastungen
Eiweiß beim Abnehmen1–1,2 g pro kg Körpergewicht täglichVerhindert, dass die stabilisierende Muskulatur mitverloren geht

Knorpel wird nur durch Bewegung ernährt – Schonung über Wochen verschlechtert die Situation. Bei akuter Schwellung und Überwärmung gilt das nicht: Dann gehört das Gelenk zuerst ärztlich beurteilt.

Was Sie sonst noch prüfen lassen sollten

Gelenkschmerzen bei erhöhtem BMI werden schnell allein dem Gewicht zugeschrieben. Das greift zu kurz. Gicht, rheumatoide Arthritis und Vitamin-D-Mangel kommen als eigenständige Ursachen infrage und lassen sich mit Blutwerten eingrenzen – dazu gehören Harnsäure, Entzündungsparameter und Vitamin D. Weil Arthrose außerdem selten allein kommt, lohnt sich im selben Termin ein Blick auf Blutdruck, Nüchternblutzucker und Blutfette; ab einem BMI von 30 ist eine jährliche Kontrolle sinnvoll. Warum diese Werte zusammenhängen, steht auf der Seite zu BMI und Diabetes.

Zwei Randnotizen: Bei geplantem Gelenkersatz spielt der BMI eine eigene Rolle, weil Kliniken damit Narkose- und Wundheilungsrisiken einschätzen – Details dazu auf der Seite BMI vor Operationen. Und ein zu niedriger BMI ist für Gelenke ebenfalls ungünstig, weil stabilisierende Muskulatur fehlt und das Knochenbruchrisiko steigt; mehr dazu unter Untergewicht.

Häufige Fragen

Ab welchem BMI leiden die Gelenke?

Die Belastung steigt kontinuierlich mit dem Gewicht. Ab einem BMI von 30 findet sich Kniearthrose deutlich häufiger als im Normalbereich, spürbare Beschwerden können aber schon früher auftreten, besonders nach Verletzungen oder bei X- und O-Beinen.

Wie viel Entlastung bringt ein Kilogramm weniger?

Beim Gehen wirkt auf das Kniegelenk nach gängigen Schätzungen ein Mehrfaches des Körpergewichts, beim Treppabgehen noch mehr. Jedes abgenommene Kilogramm entlastet das Knie also um ein Vielfaches dieses Gewichts pro Schritt.

Warum tun bei Übergewicht auch Hände und Finger weh?

Fettgewebe ist stoffwechselaktiv und gibt entzündungsfördernde Botenstoffe ab, die auf alle Gelenke wirken. Deshalb ist Arthrose bei Übergewicht nicht allein ein Problem der Belastung, sondern auch ein entzündliches.

Ist Sport bei Arthrose und Übergewicht schädlich?

Nein, Bewegung ist Teil der Behandlung. Knorpel wird nur durch Bewegung ernährt. Günstig sind Radfahren, Schwimmen, Wassergymnastik und Krafttraining für die Oberschenkelmuskulatur, ungünstig sind Stoßbelastungen bei akuter Reizung.

Verschwindet Arthrose wieder, wenn ich abnehme?

Bereits vorhandene Knorpelschäden bilden sich nicht zurück. Schmerz und Funktion bessern sich aber häufig deutlich, und das Fortschreiten verlangsamt sich. Schon 5 bis 10 Prozent Gewichtsreduktion sind dafür eine wirksame Größenordnung.

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