BMI in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft wird der BMI nicht neu bewertet. Was zählt, ist der Ausgangs-BMI vor der Schwangerschaft – denn er bestimmt, wie viel Gewichtszunahme in den kommenden Monaten sinnvoll ist.

Ausgangs-BMI berechnen (Gewicht vor der Schwangerschaft)

Größe und Gewicht eingeben – der BMI wird sofort berechnet.

Warum der BMI in der Schwangerschaft nicht bewertet wird

Der BMI setzt Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und unterstellt dabei, dass dieses Gewicht zum eigenen Körper gehört. In der Schwangerschaft stimmt das nicht mehr: Zum Ende kommen Kind, Plazenta, Fruchtwasser, vergrößerte Gebärmutter, mehr Blutvolumen und Wassereinlagerungen zusammen. Eine Frau mit 1,68 m, die vor der Schwangerschaft 62 kg wog, hat einen BMI von 62 ÷ 2,8224 = 22,0 – also klar im Normalbereich. Nimmt sie regelgerecht 14 kg zu, wiegt sie in der 40. Woche 76 kg und käme rechnerisch auf 76 ÷ 2,8224 = 26,9. Diese 26,9 bedeuten kein Übergewicht, sondern eine normale Schwangerschaft. Genau deshalb steht in den Mutterschaftsvorsorge-Unterlagen der Ausgangs-BMI, und danach wird nur noch die Zunahme protokolliert.

Berechnen Sie den Ausgangs-BMI also mit dem Gewicht vor der Schwangerschaft oder mit dem Gewicht bei der Erstuntersuchung. Zur Einordnung gelten die üblichen WHO-Klassen aus der BMI-Tabelle: unter 18,5 Untergewicht, 18,5 bis 24,9 Normalgewicht, 25 bis 29,9 Übergewicht, ab 30 Adipositas. Die altersangepassten Richtwerte, wie sie unser BMI-Rechner mit Alter zeigt, spielen hier keine Rolle – für die Zunahmeempfehlungen gelten ausschließlich die WHO-Klassen.

Empfohlene Gewichtszunahme nach Ausgangs-BMI

Die international gebräuchlichen Empfehlungen stammen vom US-amerikanischen Institute of Medicine (IOM) aus dem Jahr 2009 und werden auch im deutschsprachigen Raum als Orientierung verwendet. Sie gelten für Einlingsschwangerschaften.

Ausgangs-BMIKlasseEmpfohlene GesamtzunahmeZunahme pro Woche im 2. und 3. Trimester
unter 18,5Untergewichtetwa 12,5–18 kgrund 0,44–0,58 kg
18,5–24,9Normalgewichtetwa 11,5–16 kgrund 0,35–0,50 kg
25–29,9Übergewichtetwa 7–11,5 kgrund 0,23–0,33 kg
ab 30Adipositasetwa 5–9 kgrund 0,17–0,27 kg

Im ersten Trimester ist die Zunahme in allen Gruppen gering und liegt üblicherweise bei 0,5 bis 2 kg insgesamt; bei ausgeprägter Übelkeit kann das Gewicht anfangs sogar leicht sinken, ohne dass das ein Problem darstellt. Für Zwillingsschwangerschaften nennt das IOM eigene, höhere Bereiche: bei normalgewichtigem Ausgangs-BMI etwa 17 bis 25 kg, bei Übergewicht etwa 14 bis 23 kg und bei Adipositas etwa 11 bis 19 kg. Für untergewichtige Frauen mit Zwillingen gibt es mangels Datengrundlage keine eigene Empfehlung – hier entscheidet die betreuende Praxis.

Beispielrechnungen

Beispiel 1: 1,72 m, 58 kg vor der Schwangerschaft. BMI = 58 ÷ (1,72 × 1,72) = 58 ÷ 2,9584 = 19,6 – Normalgewicht. Empfohlene Zunahme 11,5 bis 16 kg, Zielgewicht am Ende also etwa 69,5 bis 74 kg. Bei einer wöchentlichen Zunahme von 0,4 kg ab der 14. Woche kommen bis zur 40. Woche rund 10,4 kg dazu, plus 1,5 kg aus dem ersten Trimester ergibt 11,9 kg – im Zielbereich.

Beispiel 2: 1,60 m, 78 kg vor der Schwangerschaft. BMI = 78 ÷ 2,56 = 30,5 – Adipositas Grad I. Empfohlene Zunahme 5 bis 9 kg. Das bedeutet nicht abnehmen: Eine gezielte Gewichtsabnahme wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen, weil sie die Nährstoffversorgung des Kindes gefährden kann. Ziel ist eine langsamere Zunahme, nicht ein Minus.

Beispiel 3: 1,65 m, 48 kg vor der Schwangerschaft. BMI = 48 ÷ 2,7225 = 17,6Untergewicht. Empfohlen sind 12,5 bis 18 kg Zunahme, also mehr als bei Normalgewicht, weil zusätzlich Reserven aufgebaut werden müssen. Ein Ausgangs-BMI unter 18,5 sollte immer ärztlich besprochen werden. Falls Essverhalten oder Gewicht Sie belasten, erreichen Sie das BZgA-Beratungstelefon zu Essstörungen unter 0221 89 20 31.

Was ein zu niedriger oder zu hoher Ausgangs-BMI bedeutet

Ein niedriger Ausgangs-BMI und eine zu geringe Zunahme sind mit einem höheren Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht und eine Frühgeburt verbunden. Ein hoher Ausgangs-BMI und eine zu starke Zunahme gehen mit einem höheren Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck in der Schwangerschaft und Präeklampsie einher, außerdem für ein sehr großes Kind, für Geburtskomplikationen und für einen Kaiserschnitt. Das sind statistische Zusammenhänge, keine Vorhersagen für den Einzelfall – und sie sind ein Argument für regelmäßige Vorsorge, nicht für Selbstvorwürfe.

Praktisch heißt das: Der Zeitpunkt, an dem sich am meisten bewegen lässt, liegt vor der Schwangerschaft. Wer einen BMI im Bereich Übergewicht hat und eine Schwangerschaft plant, kann mit einer moderaten Gewichtsreduktion vorher mehr erreichen als mit jeder Anpassung während der neun Monate. Zusammenhänge rund um Gewicht und Fruchtbarkeit behandelt die Seite BMI und Kinderwunsch.

Nach der Geburt: Wann der BMI wieder gilt

Unmittelbar nach der Geburt gehen typischerweise 5 bis 6 kg ab – Kind, Plazenta und Fruchtwasser. In den ersten Wochen kommt der Abbau der Wassereinlagerungen dazu. Ein aussagekräftiger BMI lässt sich sinnvoll erst nach etwa sechs bis zwölf Monaten wieder bilden, weil sich Flüssigkeitshaushalt, Stillen und Schlafrhythmus bis dahin eingependelt haben. Stillen erhöht den Energiebedarf spürbar; wie sich ein Mehrbedarf rechnerisch abbilden lässt, zeigt die Seite Kalorienbedarf berechnen. Wichtig bleibt: Der BMI Ihres Kindes wird später nicht mit den Erwachsenenklassen bewertet, sondern über Perzentilen – dafür gibt es den BMI-Rechner für Kinder.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meinen BMI in der Schwangerschaft?

Mit dem Gewicht vor der Schwangerschaft oder dem Gewicht bei der Erstuntersuchung. Das aktuelle Schwangerschaftsgewicht ergibt keinen sinnvollen BMI, weil Kind, Fruchtwasser und Blutvolumen mitgewogen werden.

Wie viel darf ich in der Schwangerschaft zunehmen?

Nach den IOM-Empfehlungen bei Untergewicht etwa 12,5 bis 18 kg, bei Normalgewicht 11,5 bis 16 kg, bei Übergewicht 7 bis 11,5 kg und bei Adipositas 5 bis 9 kg.

Darf ich in der Schwangerschaft abnehmen?

Eine gezielte Gewichtsabnahme wird nicht empfohlen, auch nicht bei hohem Ausgangs-BMI. Ziel ist eine langsamere Zunahme innerhalb des empfohlenen Bereichs, besprochen mit der betreuenden Praxis.

Was bedeutet ein BMI über 30 vor der Schwangerschaft?

Er ist mit einem höheren Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und Geburtskomplikationen verbunden. Das ist ein Grund für engmaschigere Vorsorge, nicht für eine Diät während der Schwangerschaft.

Wann kann ich meinen BMI nach der Geburt wieder bewerten?

Sinnvoll ist ein Abstand von etwa sechs bis zwölf Monaten. Vorher verzerren Wassereinlagerungen, Stillen und der veränderte Alltag das Ergebnis.

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